Ursachen für Messabweichungen

Ursachen von Messsabweichungen verstehen & vorbeugen

Eine der häufigsten Fragen, die bei der regelmäßigen Blutdruckmessung aufkommt ist, warum Blutdruckwerte zum Teil deutlich voneinander abweichen, wenn mehrere Messungen mit dem gleichen Gerät ODER mehrere Messungen mit unterschiedlichen Blutdruckmessmethoden (Stethoskop bei der Arztmessung, Zweitgerät zu Hause, Apothekengerät etc.) durchgeführt werden. 

Hauptgrund dafür ist, dass der Blutdruck stark schwankt und bereits auf kleinste Veränderungen in der Umwelt bzw. Reize, die auf
Ihren Körper einwirken, reagiert. So kann Ihr Blutdruck allein z. B. schon dadurch steigen, dass Sie gerade an etwas Unschönes denken,
Sie gerade etwas getrunken haben oder besonders aufgeregt bei Ihrem Arzt sind („Weißkittel“-Effekt). Im normalen Tagesablauf können so je nach Situation bereits innerhalb kürzester Zeit Schwankungen von bis zu 40 mmHG auftreten (siehe Tabelle).

Beispiele für die Veränderungen des Blutdrucks durch verschiedene Einflussfaktoren

EinflussfaktorHarndrangSprechenRauchenKaffee trinkenakute Kälte (Zugluft)
syst. in mmHG
bis zu +27
+17+10+10+11
diast. in mmHG
bis zu +22
+13+8+7+8

Beispiel einer Vergleichsmessung mit zwei unterschiedlichen Messgeräte

Das untenstehende Beispiel zeigt die Auswertung eines klinischen Tests, bei dem mehrere Vergleichsmessungen hintereinander durchgeführt wurden: Im Wechsel von jeweils drei Minuten Abstand erfolgte jeweils eine manuelle Messung mit Stethoskop und mit einem automatischen Blutdruckmessgerät:

  1. Bei der Einstiegsmessung mit dem automatischen Messgerät wurde zunächst ein Wert von 163/90 mmHG gemessen (1. Messung).

  2. Über die manuelle Stethoskop-Messung wird drei Minuten danach ein stark abweichender Wert von 143/86 mmHg (2. Messung) ermittelt.

  3. In der 3. Messung (wieder mit automatischem Blutdruckmessgerät) relativiert sich der Unterschied zwischen beiden Messmethoden allerdings mit zunehmender Entspannung des Herz-Kreislaufsystems: Der Blutdruck pendelt sich in der Systole ganze 22 mmHG bzw. in der Diastole ganze 15 mmHG niedriger ein als noch in der Anfangsmessung.

Dies verdeutlicht noch einmal, wie wichtig es ist, sich nicht auf punktuelle Vergleichsmessungen zu verlassen oder Vergleiche zwischen
Messungen zu ziehen, die zu unterschiedlichen Tageszeiten und/oder unter anderen Umweltbedingungen gemacht wurden.



Korrekte Vergleichsmessungen durchführen - So geht`s:

Um Messungen mehrerer Messgeräte miteinander vergleichen zu können, führen Sie drei Messungen im Abstand von 1-2 Minuten in der Reihenfolge Testgerät - Vergleichsmessung - Testgerät hintereinander durch. Vergleichen Sie am Ende nur die zwei letzten Messungen miteinander.

Beachten Sie hierbei auch unbedingt alle weiteren Regeln für eine verlässliche Blutdruckmessung

Nur, wenn der systolische Wert unter Berücksichtigung der oben genannten Punkte mehr als 10 mmHG voneinander abweicht, könnte eine Messungenauigkeit (z. B. wegen eines technischen Defekts) vorliegen. Eine Überprüfung des Testgeräts, aber auch des Vergleichsgeräts (hier kann ebenso der Fehler liegen!) wird dann empfohlen.

Andernfalls sind Unterschiede in den gemessenen Blutdruckwerten auf natürliche Schwankungen des Blutdrucks oder suboptimale Messdurchführungen zurückzuführen (z. B. Manschette falsch positioniert, zu kurze Ruhezeit, Abweichung Heim-/Arztmessung durch Weißkitteleffekt/maskierte Hypertonie etc.).

Erklärvideo zu Messabweichungen bei Blutdruckmessungen